SOS-Die Wanderhure

This entry is part 3-3 of 9 in the series SOS(2018)

Heute möchte ich euch eine Frau aus der Bibel vorstellen. Keine erdachte Geschichte – wirklich so geschehen (LK.7,36 ff.) Eine Frau, die zeitgleich mit Jesus gelebt hat und die, wie Jesus, über die Dörfer gezogen ist. Man kannte sie – überall. Allein durch ihr Äusseres fiel sie auf und man verachtete sie dafür. Die Pharisäer und Schriftgelehrten wechselten – für alle sichtbar – die Strassenseite wenn diese Frau unterwegs war. Sie wurde nicht gegrüsst – und auf kein Fest eingeladen. Niemand wollte mit ihr zu tun haben … offiziell … doch im Geheimen waren viele Männer bereits bei ihr gewesen. Sie kannte viele Männer – und ihre dunklen Geschichten, denn sie hatte ein sehr – sagen wir einmal – pikantes Gewerbe. Sie war eine Wanderhure. Eine Prostituierte, die über die Dörfer zog und ihrem Gewerbe nachging. Im Normalfall wurden jungen Frauen aus der Not heraus zu Prostituierten. Sie hatte keinen Mann und keine Kinder, die sie versorgten und so mussten sich selber kümmern – um über die Runden zu kommen und verkauften so das einzige was sie hatten – um zu überleben – ihren Körper. Wie viele in unseren Tagen. Auch heute geht niemand diesem Gewerbe freiwillig nach – niemand. Die meisten werden mit brutaler Gewalt dazu gezwungen, andere aus der Not heraus … eben wie die Wanderhure. Gleichzeitig erfuhr man dieses „gemieden werden“ und öffentlich „verachtet werden“ und das macht etwas mit einem Menschen. Es zerstört etwas tief im inneren des Herzen, denn wir alle tragen in uns den Wunsch geliebt zu werden. Jemanden zu haben der uns wirklich von Herzen mag. Wenn dieser Wunsch unerfüllt bleibt, dann stirbt etwas in uns. Die Selbstachtung, der Eigenwert wird zerstört

Judäa war in den Tagen Jesu nicht unbedingt ein riesiges Land und so war klar, das die Wege von Jesus und er Wanderhure sich irgendwann kreuzen würden. Das irgendwo eine Begegnung dieser beiden Personen geschehen würde. Und so geschah es. Die Wanderhure machte in der gleichen Stadt Station, in der auch Jesus gerade war. Am Abend dann gab es ein Festessen zu Ehren des berühmten Jesus im Hause eines vornehmen Mannes, eines Pharisäers mit Namen Simon. In der Kultur dieser Zeit hiess das, dass das Dorf auch kommen konnte. Das Tor am Eingang war offen, jeder konnte hineingehen. Und diese Frau traute sich auch, wollte Jesus sehen. Von dem sie schon so vieles gehört hatte. Das er nicht so wäre wie die anderen. Das er Menschen nicht verachtet und bloss stellt. Das er auch die lieben würde, die von anderen verachtet würde. Jesus, die Liebe wurde für sie an diesem Tag zu einer Person „Love comes to Town“, die Liebe in der Gestalt von Jesus selber kommt in eine Stadt. Der ein konnte es erkennen der andere nicht. Diese gewisse Frau sah es – der Pharisäer nicht. Der Pharisäer hatte Jesus zu sich eingeladen – um sich selber mit dem berühmten Mann zu schmücken. Seht her, ich kann es mir leisten den berühmten Jesus einzuladen und ein grosses Gastmahl augzubieten. Dem Pharisäer ging es nur um sich selber, das er Achtung und Bewunderung bekäme. Eine völlig egostische Einladung, denn es ging ihm nicht um Jesus, sondern er bekam etwas dadurch – er war der Nutzniesser.

Diese Frau hatte gehört das Jesus den Abend der „Ehrengast“ im Hause des Pharisäers Simon war. Die Tür war offen, jeder konnte hingehen. Sie nahm allen Mut zusammen und ging ebenfalls dort hin. Unter den Blicken des Pöbels, durch das Tor hinein, jeder machte ihr Platz, weicht vielleicht sogar einen Schritt zurück, bis sie vor Jesus stand. Vermutlich hielten die Menschen um sie herum den Atem an, jeder wusste doch was dies für eine Frau war. Würde Jesus sie genau so behandeln wie die anderen Rabbis, die Schriftgelehrten und Pharisäer? Würde er sie auch fortscheuchen? Weil sie unwert war ? Die Frau fällt vor Jesus nieder und weint so sehr, dass seine Füsse davon nass werden. Nein, er weist sie nicht von sich Sondern lässt es geschehen, lässt sie in seine körperliche Nähe spüren. So fühlt sie seine echte Liebe, seine Annahme, seine Barmherzigkeit. in Mann, der nicht in ihr das Objekt der Begierde sieht. Überwältigend muss diese Ausstrahlung gewesen sein. Annahme für jemanden der immer nur Ablehnung und „ausgenutzt werden“ gekannt hat. Mit ihren Haaren trocknet diese Frau die Füsse Jesu wieder ab und vermutlich mit zittriger Hand holte sie aus der Tasche das kostbarste was sie hat. Ihren grössten Schatz – ein Vermögen. Ein Schatz der ihre finanzielle Sicherheit ist, Sicherheit für die Zeit wenn sie nicht mehr ihrem Gewerbe nachgehen kann. Eine kleine Flasche mit äusserst kostbarem Öl. Mit diesem beginnt sie die Füsse Jesu zu ölen. Langsam und sanft reibt sie das Öl ein und der feine, süssliche Duft zog durch den grossen Raum des Pharisäers. Jeder konnte es riechen so intensiv war dieser Geruch.
An diesem Tag ist das Herz dieser Frau wieder heil geworden. Weil sie die Liebe Jesu gefunden hatte. Sie hat entdecken dürfen, dass die Liebe Jesu – die Liebe Gottes und seine Annahme auch ihr gilt. Oder vielleicht auch gerade ihr.

Der Gastgeber, der Pharisäer Simon, hatte mit der Szene grosse Probleme. Er verachtete die Frau für den Beruf den sie ausübte. In seinen Augen waren Frauen sowie so nichts wert. Selbst eine Kuh war wertvoller als eine Frau , so das Verständnis der Pharisäer. Und diese war noch wesentlich weniger Wert. Doch für Jesus war sie unendlich wertvoll. Denn das Zerbrochene – ist für Gott ein grosser Schatz (1) Lk.7,36 ff. – Jesus sagt von sich: (2) Lk.4,18 ff.



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