Paul Gerhardt – Befiehl du deine Wege

Kategorien Dichter und ihre Lieder

Paul Gerhardt (1607-1676) zählt zu den bedeutendsten Dichtern der alten Tage. Er wurde auch schon einmal der Wesley Deutschlands genannt. Dieses nicht wegen der grossen Anzahl der Lieder, die er geschrieben hat, sondern wegen ihrer Qualität und Aussagekraft. Alle Lieder Gerhardts, und es waren 122 an der Zahl, tragen das Zeichen eines echten Genies. Selbst ca. 340 Jahre nach ihrer Veröffentlichung sind 40 immer noch in einigen Kirchen gebräuchlich. Doch Gerhardt war NICHT Berufs- Liederdichter und Musiker, sondern Prediger. Das Dichten war eher eine Leidenschaft oder Hobby würden wir heute sagen. Paulus Gerhardt wurde 1607 geboren und somit erlebte er den Dreißigjährigen Krieg und deren grausamen Nachwehen. Er führte meist ein eher trauriges, ärmliches Leben und erlangte auch erst im Alter von etwa 44 Jahren eine erste feste Anstellung. In dieser wurde er Prediger der Landespfarrei Mittenwalde bei Berlin. Sechs Jahre später wurde er von dort in die St.-Nikolaus-Kirche in der Hauptstadt Berlin berufen. Dort blieb er neun glückliche Jahre lang und genoss die Zuneigung und Wertschätzung seiner Gemeinde. Doch Gerhardt hatte auch einen sturen „Grind“. Im Jahr 1664 erliess der Grosse Kurfürst von Brandenburg ein Edikt mit dem er versuchte die lutherische und die reformierte Kirche zu vereinen. Unter anderem verbot er gegenseitige Beleidigungen oder beleidigende Sprache zwischen den Kirchen, besonders den Kirchenmännern. Doch als strikter Lutheraner weigerte sich Gerhardt, sich an dieses Urteil zu halten. So kam es wie es kommen musst, er wurde 1666 aus seiner Kirche entlassen. Zwangsläufig musste er auch damit Berlin-Brandenburg verlassen, da er nirgends mehr eine Anstellung finden würde.

So wurden er, seine Frau und die Kinder zwei Jahre lang zu wandernden Exil-Suchenden. Eine Situation an der insbesondere seine Frau hatte schwer zu tragen hatte. Eines Abends, als sie in einem einsamen Gasthof am Wege wohnten, ging Gerhardt hinaus und dachte mit tiefgründigen Gedanken unter dem weitem Sternenhimmel über sein scheinbar immerwährendes Unglück nach. Doch allem Unglück zu Trotz war sein Herz nur so von Glaube und Hoffnung erfüllt. Und so brachte er seine Gedanken dann noch in der gleichen Nacht in die Poesie Form  und der Hymnus war geboren, den wir als „Befiehl du deine Wege“ kennen. 

1) BEFIEHL du deine Wege und was dein Herze kränkt
der allertreusten Pflege des, der den Himmel lenkt.
Der Wolken Luft und Winden gibt Wege, Lauf und Bahn
der wird auch Wege finden, da dein Fuß gehen kann. 

2) DEM HERREN musst du trauen, wenn dir’s soll wohlergehn;
auf sein Werk musst du schauen, wenn dein Werk soll bestehn.
Mit Sorgen und mit Grämen und mit selbsteigner Pein
lässt Gott sich gar nichts nehmen: es muss erbeten sein. 

Er eilte zurück in das Gasthaus, schrieb schnell die Verse auf und las sie bei der Abendandacht der Familie vor. Aufgeregt und angefeuert von dem inspirierenden Gedicht, zogen sie sich zur Ruhe. Aber kaum hatten sie dies getan, als ein donnerndes Klopfen an der Tür sie alle wachrüttelte. Es war ein berittener Bote von Herzog Christian von Merenberg, (Herzog von Braunschweig-Lüneburg). Dieser hatte ein Eilpferd auf den Weg gebracht, um Mr. Gerhardt ein versiegelte Depesche zu liefern. In dieser stand eine Einladung des Herzogs, seinen Dienst zukünftig in seinem Herzogtum auszuüben. Er bot ihm „Kirche, Volk, Heimat und Lebensunterhalt und Freiheit, das Evangelium zu predigen, so wie sein Herz ihn auffordern kann“ an. Die Kirche war in Lübben im Spreewald, wo Gerhardt Erzdiakon wurde und bis zu seinem Tod 1676 diente …

Viele haben durch das genannte Lied Trost und Ermutigung erfahren, und ich hoffe das es auch dir Hoffnung geben kann


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