Jesus und die Wanderhure

Kategorien SOS-Serie

In Lk.7,37 wird uns in der Bibel die Geschichte von einer gewissen Frau erzählt. Ihr wisst schon – so eine gewisse ….. Diese Frau hat zeitgleich mit Jesus in Judäa gelebt hat und ist wie Jesus über die Dörfer gezogen – um ihrem Geschäft nachzugehen. Denn es steht in dem Bibeltext geschrieben, dass sie gerade wieder einmal in der Gegend war. Käufliche Liebe, das älteste Gewerbe der Welt. Und so kannte man sie – überall. Denn sie viel schon allein durch ihr Äusseres auf. Prostituierte kleideten sich anders als die gewöhnlichen Frauen und sie trugen die Haare anders – offen. Dieses sichtbare hatte ihren Preise. Man verachtete sie dafür. Die Pharisäer und Schriftgelehrten wechselten, für alle sichtbar, die Strassenseite wenn diese Frau unterwegs war. Kinder und Jugendliche zeigten ungeniert mit den Fingern auf sie. Die alten Frauen vor den Häusern tuschelten miteinander wenn sie kam. Sie wurde nicht gegrüsst und ganz sicher auf kein Fest eingeladen. Niemand wollte mit ihr zu tun haben … zumindest offiziell. Doch im Geheimen waren viele Männer bereits bei ihr gewesen. Sie kannte sie, die reichen und Einflussreichen, und ihre kleinen Geheimnisse. Denn sie hatte ein sehr pikantes Gewerbe: Sie war eine Wanderhure. Eine Prostituierte, die über die Dörfer zog und ihrem Gewerbe nachging. Im Normalfall wurden Frauen in dieser Zeit aus der Not heraus zu Prostituierten. Immer dann, wenn kein Mann und auch keine Kinder da waren die sie versorgten, mussten solche sich selber kümmern um über die Runden zu kommen. Notprostitution, wie die alten Männer in Chicago. Ihr blieb nichts anderes übrig als das einzige zu verkaufen was sie hatte ihren Körper. Ebenso wie die jungen Frauen in Honululu und so viele andere in unseren Tagen, die entweder mit brutaler Gewalt dazu gezwungen werden oder wie bei der Wanderhure in der Bibel durch die wirtschaftliche Not dort landeten. In der Öffentlichkeit wollte niemand etwas mit ihr zu tun haben und hinter dem Rücken wird getuschelt – pssss – hast du gesehen, sie ist wieder da. Doch dieses „gemieden werden“ und öffentlich „verachtet werden“ das macht etwas mit einem Menschen. Es isoliert und macht einsam, und es zerstört etwas tief im inneren des Herzen. Die meisten haben so etwas schon erlebt, dieses gefühl gemieden zu werden, oder das, wenn man einen Raum betritt, es mucksmäuschen still wird. Da weisst du ganz genau sie haben über dich geredet. Dabei tragen wir alle tief in uns den Wunsch im Herzen geliebt zu werden. Niemand will gemieden und gehasst werden. Jeder Mensch sehnt sich nach Annahme und Bestätigung. Danach jemanden zu haben, der uns wirklich von Herzen mag. Doch wenn dieser Wunsch unerfüllt bleibt stirbt etwas – in jedem von uns. Judäa war in den Tagen Jesu nicht unbedingt ein riesiges Land, und so war klar das die Wege dieser beiden Personen sich irgendwann kreuzen. Das irgendwo eine Begegnung von Jesus und er Wanderhure geschehen würde. Eben in diesem uns unbekannten kleinen Dorf. Dort lebte ein vornehmer Mann, ein Pharisäer Namens Simon. Dieser lud Jesus zu einem Festessen ein. Wir müssen uns dies einmal ganz praktisch vorstellen. Die Häuser der reichen Juden hatten einen Innenhof als Säulenhalle. Nach der Sitte des Morgenlandes durften Fremde und die Menschen aus dem Dorf während eines Gelages dort vom Hof aus zuschauen wie die feinen Herren essen und trinken. Diese Zuschauer können sehen wie auf sehr niedrigen Tischen Speisen und Früchte bereitstehen und um die Tische herum weiche, edle Polster liegen worauf die Gäste beim Essen ruhen werden. Man legt sich dabei längs hin und stützt sich seitlich auf den linken Arm auf. Die blossen, von Sandalen befreiten Füße werden dann nach hinten ausgestreckt. Wenn die Gäste zu dem Fest kommen werden sie vom Hausherrn mit dem Friedenskuss auf die Wange und den Worten „Friede sei mit dir“, dem Schalom begrüsst . Dieser Kuss auf die Wange ist die Versicherung des Willkommensseins sowie der Liebe und der Freundschaft. Dann kommen Diener mit kühlem Wasser und waschen den Gästen die vom Strassenstaub beschmutzen Füße. Zu Hause hatte man bereits sich gebadet, weil dieses zu den religiösen Reinigungsvorschriften gehörte, und so waren nur die Füsse verunreinigt. Bei diesem erwähnten Gelage war Jesus der Ehrengast, oder vielmehr die Attraktion des Gelages. Wie gesagt gehörte es zu der Kultur dieser Zeit dass das Dorf auch kommen konnte, ja sogar Fremde um zuzuschauen. So war das Tor am Eingang offen und jeder konnte in den Innenhof hineingehen. Diese gewisse Frau, die ebenfalls im Dorf war, fasste allem Mut zusammen und traute sich. Sie wollte auch Jesus sehen, von dem sie schon so vieles gehört hatte. Das er nicht so wäre wie die anderen. Das er sie nicht verachten und blossstellen würde. Das er auch die lieben würde, die von anderen verachtet würden, eben Jesus, die Liebe war Mensch, eine Person geworden. Und diese Liebe kam in die Stadt. Der eine sah es, der andere nicht. Diese gewisse Frau sah es, der Pharisäer nicht. Der Pharisäer hatte Jesus zu sich eingeladen um sich selber zu schmücken: Seht alle her. Ich kann es mir leisten den berühmten Jesus einzuladen und ein grosses Gastmahl aufzubieten. Dem Pharisäer ging es lediglich um sich selber, das er Achtung und Bewunderung bekäme. Aus dieser Sichtweise war dies eine völlig egoistische Einladung – es ging ihm nicht um Jesus sondern er war der Nutzniesser. Diese Frau hatte gehört das Jesus den Abend der „Ehrengast“ im Hause des Pharisäers Simon war. Die Tür war offen, jeder konnte hingehen und nahm sie allen Mut zusammen und ging hinein. Unter den Blicken des Pöbels durch die Tür – hinein – jeder machte ihr Platz – weil ihr keiner zu nahe kommen wollte, bis sie in der Säulenhalle stand und Jesus dort auf den Kissen liegen sehen konnte. Wir wissen nicht was dann genau geschah, sicher ist nur das sie sich ein Herz fasste und die Stufen hochging, dahin wo die Ehrengäse des Gelages auf den Kissen lagen, bis sie vor Jesus stand. Vermutlich haben die Menschen drum herum nun die Luft angehalten: Was kommt jetzt ? Jeder wusste doch was dies für eine Frau war. Würde er sie genau so behandeln wie die anderen Rabbis, die Schriftgelehrten und Pharisäer? Würde er sie auch fort scheuchen weil sie unwert war und unrein ? Die Frau fällt vor Jesus nieder und weint so sehr, dass seine Füsse davon nass werden. Nein, er weist sie nicht von sich sondern lässt es geschehen, lässt sie in seine körperliche Nähe das sie diese echte Liebe spüren kann, seine Annahme, seine Barmherzigkeit. Er gibt ihr Wert. Überwältigend muss dieser Moment für die Frau gewesen sein. Sie erfährt Annahme und Wert , wahrscheinlich das erste Mal seit langer Zeit. Mit ihren offenen Haaren trocknet diese Frau die Füsse Jesu wieder ab und holt mit zittriger Hand das kostbarste was sie hat aus der Tasche. Ihren grössten Schatz, ein Vermögen wert. Ein Schatz, der ihre Sicherheit für die Zeit ist, wenn sie nicht mehr ihrem Gewerbe nachgehen kann. Eine kleine Flasche mit äusserst kostbarem Öl. Mit diesem beginnt sie die Füsse Jesu zu ölen. Langsam und sanft reibt sie das Öl ein und der feine, süssliche Duft zog durch den grossen Raum des Pharisäers. Jeder konnte es riechen so intensiv war der Geruch. er erfüllte dem ganzen offenen Raum. An diesem Tag ist das Herz dieser Frau wieder heil geworden, weil sie die Liebe in Jesu gefunden hatte. Sie hat entdecken dürfen, dass die Liebe Jesu – die Liebe Gottes und seine Annahme auch ihr gilt – oder vielleicht auch gerade ihr. Der Gastgeber, der Pharisäer Simon, hatte mit der Szene grosse Probleme. Er verachtete die Frau für den Beruf den sie ausübte. In seinen Augen waren Frauen sowie so nichts wert und selbst eine Kuh war in seinen Augen wertvoller als eine Frau, so das allgemeine Verständnis der Pharisäer. Und diese Frau war noch wesentlich weniger Wert als alle anderen. Doch für Jesus war sie unendlich wertvoll und dieses konnte sie an dem Tage spüren.

Wenn der Christus in dir lebendig ist möchte dieser das gleiche tun. Menschen zur Heilung lieben und sie die Gnade Gottes erleben lassen.


Der Hintergrund zu den SOS Geschichten

Die Gnade Gottes wurde in Jesus ein Mensch aus Fleisch und Blut. Die Mystik dieser biblischen Botschaft ist aus menschlicher Sicht kaum zu fassen. Und doch dürfen wir in dem biblischen Bericht sehen, dass diese entscheidende Wesensart Gottes in der Person Jesus sichtbar wurde. In seinem Reden, in seinem Handeln, in dem wie er mit den Menschen umging, alles an seinem Verhalten zeigt die Barmherzigkeit und Gnade Gottes. Bevorzugt wendete sich Jesus Menschen zu, die am Rande der Gesellschaft standen. Die durch das soziale Raster fielen, die keine Fürsprecher hatten, die sonderbaren, die gestrauchelten, die ohne Zukunft und Hoffnung um diesen zu zeigen: „Gott will dich – und er will dein zerbrochenes Leben wieder ganz machen“.

Um diesen zentralen Aspekt der biblischen Botschaft zu verdeutlichen sind die SOS Geschichten entstanden. Es sind zum grössten Teil reale Geschehnisse, die gleichzeitig moderne Gleichnisse dieser zentralen Gottesbotschaft sind: „Die Gnade Gottes will dein Leben heilen“.


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