Horatio Sprafford – Wenn Friede mit Gott

Kategorien Dichter und ihre Lieder

Horatio Sprafford hatte einen grossen Immobilienbesitz in Chicago und konnte sich seines Lebens erfreuen. Doch dann brach die Katastrophe über ihn herein. Zuerst starb im Jahr 1870 sein vierjähriger Sohn an Scharlach. Nur wenige Monate danach brach in Chicago ein grosser Brand aus und vernichtete seinen Grundbesitz. Zwei Jahre später beschloss die Familie Urlaub bei Freunden in Europa zu machen. Doch als das Schiff ablegen sollte wurde Horatio durch ein Immobiliengeschäft aufgehalten. Seine Frau und die Töchter schifften alleine ein und machten sich zur Ozeanüberquerung auf. Er wollte mit einem der nächsten Schiffen nachkommen, sobald das Geschäft abgeschlossen war. 

Doch ein paar Tage später erhält er ein Telegramm von seiner Frau mit den Worten: „Allein gerettet! Was soll ich tun…?“ Kurz danach ging es durch die Nachrichten. Das Schiff, auf dem seine Familie reiste, war auf hoher See mit einem anderen Schiff zusammengestossen und innerhalb von zwölf Minuten untergegangen. Alle vier Töchter waren ertrunken. Jetzt wusste er, dass er unbedingt seiner geliebten Frau, um sie zu trösten, nachreisen musste. So schiffte er ein und machte sich ebenso auf die Fahrt über den Ozean. Während der ruhigen Überfahrt hatte er ausreichend Zeit über die schrecklichen vergangenen zwei Jahre nachzudenken, die hinter ihm lagen. Irgendwann auf der Überfahrt verkündete der Kapitän, sie seien jetzt an der Stelle angelangt an der die „Ville de Havre“ vor wenigen Wochen untergegangen sei. Hier war es nun: Das nasse Grab seiner geliebten Töchter!

In jenem Augenblick des schlimmsten Schmerzes begann Horatio eine Art Gedicht zu schreiben, um seinem Gemütsleben Ausdruck zu geben. Was er dabei aufschrieb gehört zu den Zeilen, für die er berühmt wurde:

Wenn Friede mit Gott meine Seele durchdringt,
ob Stürme auch drohen von fern,
mein Herze im Glauben doch allezeit singt:
Mir ist wohl, mir ist wohl in dem Herrn!

Wie kann man solchen Verlust ertragen? Als Vater von zwei Kindern kann ich mir nicht einmal ansatzweise vorstellen, was es bedeutet innerhalb von zwei Jahren alle Kinder und zudem seine finanzielle Sicherheiten und damit die Unabhängigkeit zu verlieren. Und da steht Horatio mit windzerzausten Haaren an der Reling eines ebenso unsicheren Schiffes und kann sagen: „Mir ist wohl, mir ist wohl in dem Herrn!“ Wie kann dies möglich sein? Wie kann jemand, der solch Schlimmes erlebt hat, sagen, dass ihm wohl ist? Ebenso schreibt Horatio in diesen Zeilen, dass der Friede Gottes seine Seele durchdringt. Woher kommt dieser tiefe innere Friede, inmitten des schlimmsten Sturms?

Paulus schreibt am Anfang seiner Briefe für gewöhnlich den Wunsch: „Gnade und Friede sei mit euch.“ Allen seinen Brieflesern wünscht er diese Erfahrung des übernatürlichen Friedens, der durch ein „Wandeln in der Gnade“ entsteht. Gnade und übernatürlicher Friede und Ruhe sind nur zusammen zu bekommen. Niemand findet die übernatürliche Ruhe Gottes ohne einem „Wandeln in der Gnade“. Andererseits wird jeder, der in der Gnade wandelt, auch den übernatürlichen Frieden und die Ruhe Gottes entdecken. Auch wenn Horatio für seine guten Werke bekannt gewesen ist, war doch der übernatürliche Friede, in dem er ruhte, ein Ergebnis vom „Wandeln in der Gnade“ und nicht seiner Werke. Nur wer im „sein“ angekommen ist, in Jesus ruht, wird dieses Erlebnis mit Horatio Spafford teilen können.


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