Fischer, die nicht fischen, flicken Netze

Kategorien SOS-Serie

Eines Tages drängte sich am See Genezareth eine große Menschenmenge um Jesus. Alle wollten hören, was er von Gott erzählte. Am Ufer lagen zwei leere Boote. Die Fischer hatten sie verlassen und arbeiteten an ihren Netzen. Da stieg Jesus in das Boot, das Simon gehörte, und bat ihn, ein Stück auf den See hinauszurudern. Vom Boot aus sprach Jesus dann zu den Menschen. Anschließend sagte er zu Simon: »Fahrt jetzt weiter hinaus auf den See, und werft eure Netze aus!« »Herr«, erwiderte Simon, »wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen. Aber weil du es sagst, will ich es wagen.« Sie warfen ihre Netze aus und fingen so viele Fische, dass die Netze zu reißen anfingen. (Lukas 5:1–6 HFA)

Die Fischer waren in der Nacht unterwegs gewesen und sind ihrem Gewerbe nachgegangen. In der Nacht lassen sich die Fische am besten fangen, so haben sie es von ihren Vätern gelernt. Denn in der Kühle der Nacht kommen die Fische nahe an die Oberfläche während sie unter Tage die, durch die Sonne aufgeheizte, Oberfläche meiden und sich lieber in die Tiefen des Gewässers zurück ziehen. Jedoch ist in der Dunkelheit der Nacht nicht so einfach zu erkennen, wo die Fische sind. Aus diesem Grunde ist diese Tätigkeit sehr oft ein „auf gut Glück“ auswerfen der Netze.

Als Jesus an den See kommt hockten die Fischer an dem Ufer des See Genezareth. Ihre Boote waren von nächtlichen Fischfang leer zurück gekommen. Sie hatten nichts zu verkaufen. Nun sitzen sie am Rand des Sees, dort wo sie normalerweise ihre Fische verkaufen und haben daher Zeit und Musse ihre Netze zu waschen und zu flicken.

Für mich lässt sich an dieser Stelle der biblischen Botschaft etwas sehr grundsätzliches erkennen: „Fischer, die nichts fangen, flicken Netze“. Was im ersten Moment völlig logisch erscheint bekommt im prophetischen Bezug auf die Gemeinde eine ganz tiefe Bedeutung. Wir können nämlich dieses Bild auch auf die „Menschenfischer“ anwenden. Jesus hat seine Jünger, und damit auch die späteren Gemeinden, dazu berufen „Menschenfischer zu sein“. Wenn diese aber nichts fangen wird auch dort begonnen „Netze zu flicken“. Dann wird ebenfalls die Nebensache zur Hauptsache, wie bei den Fischern am Ufer des See Genezareth. Dann wird unter den Menschenfischern über Theologie gestritten, über die richtige Ausrichtung und Vieles mehr. Im Bild der frustrierten Fischer am Rand des See Genezareth besteht die latente Gefahr nun über die richtige Zeit des Fangens, über die richtigen Netze, über den richtigen Ort des Fangens und vieles mehr zu streiten.

Was macht Jesus mit diesen demotivierten und konfliktgefährdeten Fischern? Er führt sie wieder auf das Wasser zurück. Wieder dahin wo die Fische sind. Sowohl die Menschenfischer als auch die realen Fischer am See Genezareth. Aber wenn Jesus die Fischer wieder auf das Wasser führt ist etwas entscheidendes grundsätzlich anders.

Die Fischer hatten in ihrer Ausbildung gelernt, das man bei Nacht fischt und warum. Sie hatten gelernt wie und wo man die Netze auswirft, wie lange man sie ziehen muss und vieles mehr. Nun kommt Jesus und wirft dieses alles über Bord, denn er weiss wo die Fische sind. Er kann sie sogar rufen damit sie sich fangen lassen. Die gelernten Fischer stehen mit offenem Mund dabei und wissen nicht so recht wie ihnen geschieht.

Nun könnten aber die Fischer sagen: „Super Jesus hat uns nun etwas ganz neues beigebracht. er hat uns gezeigt wie man wo bei Tag fischen kann.“ Nein, so nicht. Es geht nicht um neue erfolgreiche Prinzipien, sondern um dieses „auf sein Wort hin“. Es geht darum das Jesus weiss wo die Menschen sind und er seine Jünger dahin schickt. So möchte er uns, als seinen Jünger nicht Prinzipen und Methoden für Evangelisation und auch nicht für Gemeindebau beibringen, sondern uns lehren „auf sein Wort hin“ uns leiten zu lassen.

Wir können in diesem Bericht erkennen wie Jesus seinen späteren Jüngern und Aposteln eine Grundlektion zum Leben im „Land der Ruhe“ weitergibt, indem er das vergebliche krampfen die ganze Nacht, und das Wirken „auf sein Wort hin“ gegenüberstellt. Eine Lektion, die für den späteren Dienst der Apostel ganz wesentlich gewesen ist, da er auch nach der Himmelfahrt seine Jünger an die Plätze und Aufgaben stellt, an denen sie als „Menschenfischer“ gebraucht werden.

Alle, die sich von Gottes Geist leiten lassen, sind seine Söhne ´und Töchter`. (Römer 8:14 NGU2011)

Darum: Fischer, die NICHT (auf sein Wort hin) fischen, flicken Netze.


Der Hintergrund zu den SOS Geschichten

Die Gnade Gottes wurde in Jesus ein Mensch aus Fleisch und Blut. Die Mystik dieser biblischen Botschaft ist aus menschlicher Sicht kaum zu fassen. Und doch dürfen wir in dem biblischen Bericht sehen, dass diese entscheidende Wesensart Gottes in der Person Jesus sichtbar wurde. In seinem Reden, in seinem Handeln, in dem wie er mit den Menschen umging, alles an seinem Verhalten zeigt die Barmherzigkeit und Gnade Gottes. Bevorzugt wendete sich Jesus Menschen zu, die am Rande der Gesellschaft standen. Die durch das soziale Raster fielen, die keine Fürsprecher hatten, die sonderbaren, die gestrauchelten, die ohne Zukunft und Hoffnung um diesen zu zeigen: „Gott will dich – und er will dein zerbrochenes Leben wieder ganz machen“.

Um diesen zentralen Aspekt der biblischen Botschaft zu verdeutlichen sind die SOS Geschichten entstanden. Es sind zum grössten Teil reale Geschehnisse, die gleichzeitig moderne Gleichnisse dieser zentralen Gottesbotschaft sind: „Die Gnade Gottes will dein Leben heilen“.


Creative Commons LizenzvertragAlle Beiträge, auch ältere, erhalten Sie unter: www.gottesruhe.ch. Dieser Beitrag von Pfr. Frank Vornheder ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung – Nicht kommerziell – Keine Bearbeitungen gestattet – International Lizenz 4.0. Über diese Lizenz hinausgehende Erlaubnisse können Sie unter http://www.gottesruhe.ch oder direkt beim Autor: Pfr. Frank Vornheder via Mail: gottesruhe[äht]eclipso.ch erhalten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.