Das Pfingsterlebnis der Herrnhuter Brüdergemeinde

Kategorien SOS-Serie

Nikolaus Graf von Zinzendorf war ein junger gläubiger Graf mit einem Landbesitz in Herrnhut. Dieser kleine Ort liegt eine Autostunde von Dresden entfernt, an der heutigen Tschechischen Grenze. Im Jahr 1722 kamen erste Flüchtlinge aus dem Osten. Es waren Hussiten, die aus Glaubensgründen aus der Heimat flüchten mussten. Diese hatten vom frommen Graf gehört und sich auf den beschwerlichen Weg gemacht. Der Graf siedelte diese um seinen Landsitz in Herrenhut an. So wuchs nach und nach eine kleines Dorf um sein Herrschaftliches Haus heran. Nach fünf Jahren hatte sich die kleine Gemeinschaft jedoch so sehr über verschiedene biblische Meinungen zerstritten, dass sie in kleine Gruppen zerfiel. Die Herrnhuter waren zwar den äußerlichen Bedrückungern in Mähren entkommen, doch unter ihnen selber herrschte vorwiegend Streit und Uneinigkeit. So wie es aussieht waren sie durch die Verfolgung zu religiösen Fanatikern geworden und schienen sich über alles zu streiten. Einmal wandten sie sich sogar gegen Zinzendorf und den Ortspfarrer Rothe und bezeichneten sie als „das Tier aus der Offenbarung und seinen falschen Propheten“. Doch Zinzendorf war ein Mann Gottes und hielt diesem Sturm tapfer stand. Man ging sich grundsätzlich aus dem Wege, und nur im Gottesdienst traf man sich, mit gewisser Distanz. So kann man sagen, das Gemeinschaft der Herrnhuter in den ersten 5 Jahren ihres Bestehens keine Anzeichen geistlicher Kraft in sich trug und erst recht ein unwahrscheinlicher Ort für eine Erweckung war.

Doch wirkte dann zwei Jahre lang (1725 bis 1727) Graf Zinzendorf unaufhörlich um die Geschwister wieder zur Einheit zu führen. Er ging immer wieder von Haus zu Haus um sie von der Notwendigkeit der Einheit zu überzeugen. Es war ein langer, steiniger Weg zur Versöhnung und wieder aufeinander zu bewegen.

Schließlich, am Sonntag den 12. Mai 1727, erreichte die Gemeinschaft einen Wendepunkt, als Graf Zinzendorf in seiner Predigt drei Stunden lang über den Segen der christlichen Einheit sprach. Die Botschaft traf in ihr Herz.

Am Samstag den 12. August besuchte der Ortspfarrer Rothe alle Gemeindeglieder zuhause um sie zu ermutigen sich innerlich auf den Abendmahls-Gottesdienst am folgenden Sonntag vorzubereiten. Er ermahnte nochmals alle die Beziehungen wieder in Ordnung zu bringen.

Am Sonntag, den 13.August 1727 hatte Pfarrer Rothe in Berthelsdorf dann den Abendmahlgottesdienst angesetzt. Auf dem Weg dahin fingen einige Geschwister an und versöhnten sich miteinander. Der Geist Gottes gewann sein Wirken in der kleinen Gemeinschaft. Es kam nun zu einer Kettenreaktion. Eine Aussöhnung folgte der anderen. Der Geist Gottes bewegte die Anwesenden innerlich stark. Die Abendmahlfeier konnte erst eine Stunde später beginnen, weil immer wieder Einzeln in Tränen ausbrachen. Eine Atmosphäre der Anbetung breitete sich aus, die den ganzen Tag und die ganze Nacht blieb. Sie gingen völlig verändert wieder nach Hause. Später sagten sie dazu: „Wir lernten lieben“. Die erste geistliche Folge war, das unter der Jugend Erweckung ausbrach. Ebenfalls wurde ein Geist des Gebets sofort erkennbar. In den Wochen danach wurden auch besonders die Kinder so stark vom Geist Gottes erfasst, dass sie Tag und Nacht auf dem Hutberg weinten und beteten.

Am 27.August 1727, zwei Wochen nach ihrem „Pfingsten“, begannen sie mit einer Gebetswache. Graf Zinzendorf hatte ein neues Verständnis für den Vers aus 3.Mose 6:6 bekommen: „Ein beständiges Feuer soll auf dem Altar in Brand gehalten werden; es soll nicht erlöschen.“ Und weil die Herrnhuter wussten, das Gott einen Feind hat, der weder Tag noch Nacht schläft, wurde eine Gebetskette eingerichtet. Eines ihrer Leitsätze war: Keiner arbeitet, wenn keiner betet. Anfangs schrieben sich 48 Männer und 48 Frauen für das Gebet ein. Zwei Männer und zwei Frauen beteten jeweils gemeinsam eine Stunde, bis das nächste Team sie ablöste. Dieses Muster wurde rund um die Uhr beibehalten, jeden Tag, Woche, Jahr und dauerte ca. 120 Jahre an. Bemerkenswert war, dass das Durchschnittalter der Beter 30 Jahre war, Zinzendorf selber war zu der Zeit 27 Jahre alt. Nach und nach beteiligten sich alle Mitglieder der Gemeinschaft an den Gebetswachen. In diesen Zeiten spielte der Gesang und das Musizieren, wir würde heute sagen, das Anbeten ebenfalls eine grosse Rolle.

Die Gottesdienste am Sonntag dauerten für gewöhnlich 9 Stunden, und diese endeten dann am späten Nachmittag damit, dass die zumeist jungen Männer Abends um das Dorf zogen und dabei geistliche Lieder sangen.

Die Kraft und Ausdauer ihrer Gebete brachte eine göttliche Leidenschaft und einen außerordentlichen missionarischen Eifer für die Verlorenen hervor. Nachdem sie nun die geistliche Einheit errungen hatten, richteten sich ihre Gebete nach außen. Sechs Monate nach Beginn der Gebetswache stellte der Graf seine Mitbrüder vor die Herausforderung, sich in die Aufgabe der Evangelisation zu geben und die Westindischen Inseln, Grönland, Türkei zu erreichen. 26 Brüder traten vor, um entweder alleine oder mit ihren Familien in die Weltmission zu gehen. Im Jahr 1732 wurden dann die ersten Missionare dieser Gemeinschaft ausgesandt. Sie wussten, sie würden die Geschwister und die Heimat nie wieder sehen. Auch waren diese Missionsdienste mit grossen persönlichen Opfern verbunden. So liessen sich viele der Herrnhuter Brüder an Orten wie Surinam in Südafrika als Sklaven verkaufen, um das Evangelium in geschlossene Gesellschaften der Sklaven hineinzubringen.

In den Jahren nach der ersten Aussendung wurde das Losverfahren für Aussendung der Männer und Familien eingeführt. Man schrieb alle Namen der fähigen Männer auf kleine Zettel und diese kämmen in eine Trommel. In dem Gottesdienst wurden dann im Losverfahren die neuen Missionare ausgewählt. In den 20 Jahren nach ihrem „Pfingsten“ sandten die Herrnhuter mehr Missionare aus, als die gesamte Reformationsbewegung in den 200 Jahren zuvor. Innerhalb einer Generation erreichten sie alle Kontinente. 100 Jahre danach gab es bereits 42 Missionsstationen weltweit. Fakt ist, 65 Jahre nach den Anfängen ihrer Gebetswache hatte diese kleine Gemeinschaft der Herrnhuter 300 Missionare an die Enden der Erde gesandt.

 


Der Hintergrund zu den SOS Geschichten

Die Gnade Gottes wurde in Jesus ein Mensch aus Fleisch und Blut. Die Mystik dieser biblischen Botschaft ist aus menschlicher Sicht kaum zu fassen. Und doch dürfen wir in dem biblischen Bericht sehen, dass diese entscheidende Wesensart Gottes in der Person Jesus sichtbar wurde. In seinem Reden, in seinem Handeln, in dem wie er mit den Menschen umging, alles an seinem Verhalten zeigt die Barmherzigkeit und Gnade Gottes. Bevorzugt wendete sich Jesus Menschen zu, die am Rande der Gesellschaft standen. Die durch das soziale Raster fielen, die keine Fürsprecher hatten, die sonderbaren, die gestrauchelten, die ohne Zukunft und Hoffnung um diesen zu zeigen: „Gott will dich – und er will dein zerbrochenes Leben wieder ganz machen“.

Um diesen zentralen Aspekt der biblischen Botschaft zu verdeutlichen sind die SOS Geschichten entstanden. Es sind zum grössten Teil reale Geschehnisse, die gleichzeitig moderne Gleichnisse dieser zentralen Gottesbotschaft sind: „Die Gnade Gottes will dein Leben heilen“.

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